Konflikte verstehen, Konflikte lösen

In den USA wurde einmal ein Footballspiel zweier Universitätsmannschaften Studierenden der daran beteiligten Universitäten vorgeführt, welche die Fairness des Spiels zu beurteilen hatten. Obwohl alle Studentinnen und Studenten den selben Film zu sehen bekamen und sie aufgefordert wurden,
objektiv zu urteilen, fiel die Einschätzung der Spielweise und Fairness der beiden Mannschaften – je nachdem aus welchem „Lager“ man stammte – extrem unterschiedlich aus. Natürlich bewerteten die Studentinnen und Studenten die Spielweise der eigenen Mannschaft als fair, während sie beim anderen Team üble Fouls erkennen konnten. Warum ist das so?

Es kommt häufiger vor als man denkt, dass Erlebnisse unterschiedlich bewertet werden. Man denke nur an die fast schon philosophische Frage, ob ein Glas halbvoll oder halbleer ist. Oftmals sind die Beteiligten nicht in der Lage, sich in die Sichtweise des anderen hineinzuversetzen. Sie meinen, es gebe nur eine richtige Sichtweise, nämlich ihre. Wenn der andere dies nicht so sieht, können sie es nicht verstehen.

Insofern ist es nicht verwunderlich, dass es so häufig zu Konflikten kommt. Dabei gibt es oftmals keine wirklich Schuldigen oder Verantwortliche. Für Beteiligte eines Konflikts ist es sehr schwer, sich der Sichtweise der anderen zu öffnen. So kommt es zum Streit, der im schlimmsten Fall nur noch mit Hilfe Dritter beigelegt werden kann.

Unser Rechtssystem dient dazu, Konflikte zu lösen, Frieden wieder herzustellen. Dazu hat sich unsere Gesellschaft Regeln und Normen gegeben, die jeder einzuhalten hat. Die Gerichte überwachen die Einhaltung dieser Normen.

Oft haben aber beide an dem Streit Beteiligten auf ihre Weise Recht. Die Gerichte können oftmals nur einer Partei Recht geben; sie sind an formelles und materielles Recht gebunden. Sie sind nicht berufen, die hinter einem Streit stehenden tiefer gehenden Ursachen zu erforschen, um den tatsächlichen Grund für einen Streit aus dem Weg zu räumen.

Die einvernehmliche Lösung
Dies können die außergerichtlichen Schlichtungseinrichtungen leisten. Konflikte lösen, dazu sind sie da. Ihnen ist gemeinsam, dass es ohne Urteil geschieht, also auf freiwilliger und übereinstimmender Basis der Streitenden.

Das sind die Ziele einer Bauschlichtungsstelle oder sonstiger Schlichtungsstellen, der Gütestellen, der Schiedsleute, des Täter/Opfer Ausgleichs, der gerichtlichen und außergerichtlichen Mediation.

Es muss nicht immer ein Gerichtsurteil sein.